Der Kindergarten in Söllichau ist 50 Jahre
Am 18.09.1954 wurde in Söllichau der Kindergarten eröffnet und hat nun auch
einen Namen.
"Heidespatzen"
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Fünfzig bunte Luftballons stiegen am Sonnabendnachmittag in den blauen Herbsthimmel über Söllichau. Einer für jedes Jahr, das der Kindergarten des Dorfes besteht. Und das begingen kleine und große Söllichauer mit einem fröhlichen Fest. Aber der Höhepunkt war zweifellos, als alle Gäste mit einem Gläschen Sekt vors Tor gebeten wurden, an dem sich hoch oben im Wind ein weißes Tuch blähte. Verborgen darunter noch der Name der Kindertagesstätte, den sich Erzieherinnen und Kinder für ihr Haus ausgedacht hatten. Und das ist einer, der in die Landschaft passt: "Heidespatzen" heißen sie von nun an, " und die Luftballons sollen alle von unserem neuen Namen erzählen", ermunterte die Leiterin Adelheid Seriff die vor dem Tor versammelte Gästeschar zu einem Prosit auf die frisch gebackenen Heidespatzen von Söllichau. Und so munter wie bei einer Schar Spatzen ging es dann auch weiter zu. Eine Modenschau der besonderen Art führten die Kleinen vor, denn wer hat außer im Söllichauer Kindergarten schon einen Anton aus Tirol, Indianer, Hänsel und Gretel und zu guter Letzt einen Großvater mit Rauschebart auf dem Laufsteg gesehen ? Und weil die Söllichauer Gewerbetreibenden so spendabel gewesen waren, konnte auch Clown Lulu mit seiner Affendame und eine Hüpfburg an diesem besonderen Geburtstag den Kindern viel Freude bringen. Am Vormittag schon hatten sich die Kinder und ihre Erzieherinnen nämlich besondere Gäste eingeladen. Auf den Stühlchen unter der wie ein Himmel gewölbten blauen Decke im großen Spielzimmer saßen die Söllichauer Handwerker und Gewerbetreibenden, die dem Kindergarten beim Ausrichten seines rundes Geburtstages finanziell und materiell unter die Arme gegriffen hatten. Unter ihnen auch der Dachdeckermeister und die Spediteurin, die vor einigen Jahrzehnten selbst jeden Morgen durchs Tor zum Kindergarten gegangen waren. Liebe Gäste waren aber auch die nun schon ergrauten ehemaligen Erzieherinnen, die Köchin und jene Frauen aus dem Dorf, die die ganzen Jahre für Sauberkeit gesorgt hatten. Ihnen allen galt der Dank der heutigen Leiterin Adelheid Seriff, die einen Söllichauer aber besonders hervorhob: den Bürgermeister Lothar Hennig, der mit seinem Herz für die Kindertagesstätte über Jahre hinweg so manche Mark aus dem Gemeindehaushalt locker machte oder aus den Fördertöpfen holte. In dem halben Jahrhundert hat sich in dem Kindergarten viel verändert. Er wurde umgebaut und ausgebaut , 1972 die Kinderkrippe geschaffen, immer wieder mal renoviert. Und als dann Anfang der 90er Jahre immer weniger Kinder geboren wurden, sah es für das weitere Bestehen des Kindergartens doch etwas trübe aus. Ob wohl der freundliche Appell von Bürgermeister und Erzieherinnen an die Jungen im Dorf geholfen hat, in Söllichau für mehr Nachwuchs zu sorgen ? Jedenfalls erfreuen sich jetzt 32 Kinder an ihren neu und liebevoll hergerichteten Räumen. 40 könnten nach der neuesten Betriebserlaubnis Platz finden. "Also nicht nachlassen, liebe junge Mütter und Väter, bei der Sollerfüllung", ermunterte die Leiterin augenzwinkernd. Zu einem so runden Geburtstag gehört natürlich eine Torte mit 50 Kerzen. Der Bürgermeister erhielt die Ehre, die Torte anzuschneiden und gemeinsam mit der Kindergartenchefin die Kerzen auszublasen. Auftakt zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken mit Kindern, Eltern und Großeltern an langen Tafeln. Natürlich mit Selbstgebackenem. Um Nachwuchs für die Diskotheken muss übrigens auch niemandem bange sein. Die Drei- bis Sechsjährigen bewegten sich sehr gekonnt im Rhythmus der Musik, die durch den Kindergarten schallte. Und Musik verband schließlich Groß und Klein zu einer gemeinsamen Polonaise unter den hohen Bäumen vor dem Haus der Kinder, in dem in den fünfzig Jahren seines Bestehens einige Söllichauer Familien schon in drei Generationen die ersten Jahre ihrer Kindheit verbrachten. Dass alle gern in ihren Kindergarten gingen, wird sicher auch an den Erzieherinnen gelegen haben, die liebevoll und fürsorglich dem Söllichauer Nachwuchs über ein halbes Jahrhundert hinweg mit in die ersten Lebensjahre halfen. Doch was sie sich für das Fest zum 50. Geburtstag ausdachten, verdient ein besonderes Lob, darüber waren sich alle Gäste einig. Denn bis zum Ausklingen der fröhlichen Feier gab es eine Überraschung nach der anderen. Die letzte: Jedes Kind wurde mit dem Kremser von Opa Kaiser bis vor die Haustür gefahren. . |